Meine erste Lesung - 18. Oktober 2014

Benjamin Spang liest im Bistro1680 in Homburg aus seinem Buch "Alle Kurzgeschichten aus Nuun"
 
Ich konnte vorbereiten, was ich erzähle.
Ich konnte vorbereiten, was ich vorlese.
Aber ich konnte mich nicht darauf vorbereiten, wie es sein wird, das alles unter meiner Nervosität vorzutragen.

Dann war es soweit: 18. Oktober 2014.
Meine erste Lesung.

Mein erstes Mal.

"Vorleseentjungferung" quasi.
"Still im Kämmerlein sitzen und schreiben" wurde zu "Rausgehen, vor Leuten sitzen und meine kranken Gedanken vorlesen".

Puh!

Ich stand zwar schon zweimal auf der Bühne in einer Hauptrolle und hatte insgesamt 400 Leute vor mir im Publikum, aber es ist doch noch mal was anderes, wenn man alleine da sitzt und von sich erzählen soll.

Als Autor bin ich ja normalerweise geplagt von Selbstzweifeln was meine Texte angehen, aber in dieser Hinsicht war ich total gechillt. Immerhin haben schon drei tolle Booktuberinnen meine Stories für "sehr gut" befunden.
Das war weniger mein Problem.

Das Problem war meine Vergangenheit.

Ihr kennt das bestimmt auch aus eurer Schulzeit:

"Benjamin, lies doch bitte mal den ersten Abschnitt vor!", sagte die Lehrerin und schon saß ich da. Hochnervös, Herzschlag bis zum Hals, aus dem eigentlich die Stimme kommen sollte.

Kam sie auch, aber tröpfchensweise.

Meine Atmung blockierte mich, denn leider fand mein Körper Atmen generell schon immer sehr wichtig, daher wurde aus meiner Stimme dann stets eine Art Rumgestammel mit langen Pausen nach jedem dritten Wort.

Grausam!

Diese Erinnerungen machten mich nervös. Werde ich es schaffen, gut und flüssig vorzulesen?
 

Und auf einmal ist die Hütte voll

Das grenzte schon an feindlicher Übernahme. Mein geiler Freundeskreis war fast vollzählig anwesend, alle Tische des Veranstaltungsortes waren gefüllt.

Insgesamt waren ca. 30 Leute da, auch drei ältere Damen, die ich nicht kannte.

Über die Freunde freut man sich, über Leute, die man nicht kennt, aber mindestens genau so! :)

Nun gut, jetzt sollte man meinen, meine Nervosität hätte sich gelegt.
Ha! Weit gefehlt!

Auch wenn das Publikum fast nur aus Personen bestand, die ich kannte, waren es eben... Personen die ich kannte! :) Auch da will man sich nicht blamieren und will eine gute Show abliefern, oder?

Autor Marco Reuther, der neben mir sein Buch an diesem Abend vorstellte, hatte eine kleine Leinwand und einen Beamer dabei. Freundlicherweise bot er mir im Vorfeld per Email an, dass ich ihm ein Bild schicken könne, das während meiner Lesung dann gezeigt wird. Coole Sache, also habe ich ihm gleich ein Bild meiner Fantasywelt Nuun zukommen lassen.

Das sah auch super aus und die Lesung konnte um Punkt 19 Uhr beginnen!
 


 

Teil 1: Meine Welt, meine Charaktere und Ich

 

Im ersten Part meiner Lesung habe ich davon erzählt, wie ich dazu gekommen bin, Geschichten zu schreiben, seit wann meine Fantasywelt Nuun existiert und wie diese funktioniert.

Das Sprechen vor dem Publikum fiel mir am Anfang etwas schwer, aber mit der Zeit legte sich das.

Dann ging ich auch schon dazu über, meine erste Geschichte vor zu lesen. Ich wählte "Die Begegnung" aus meinem ersten Kurzgeschichtenband.

Nach den ersten drei Sätzen merkte ich: Das klappt ganz gut!

Meine Atmung war nicht zu schnell, mein Herz klopfte nicht zu stark, meine Stimme hatte genug Platz im Hals, um laut und klar durch meinen Mund in die Ohren des Publikums zu gelangen.

Nach der Lesung habe ich noch ein paar Hintergrundinformationen zu der Geschichte verraten und dann gab ich ab an meinen Autorenkollegen Marco Reuther, der aus seinem Buch "Der Lemmes" vorlas.

 

Teil 2: Fünf Uhr morgens, Blähungen auf der Tavernen-Toilette und $$$

 

Wie beim ersten Teil habe ich erst mal wieder ein bisschen von mir erzählt.

Ich berichtete dem Publikum, dass ich am liebsten Werktags schon um 5 Uhr morgens aufstehe, um zu schreiben. Dann habe ich einfach das Wichtigste schon getan für diesen Tag und habe den Kopf noch frei.

Vorgelesen habe ich den Anfang der Geschichte "Die Gruft".
Die Geschichte, die bisher von meinen Kritikern sehr viel Lob erfahren hatte.

Wer die Geschichte kennt, weiß, dass Dieb Samuel in einer Taverne auf der Toilette sitzt und einen Darmwind unterdrücken muss, weil er sich sonst verraten würde, denn zwei Männer handeln vor seiner Kabine gerade einen Raubzug aus.

Diese Szene sorgte im Publikum für viel Gelächter, was mich sehr gefreut hat!

Ein bisschen Humor ist immer gut, auch in meiner gemeinen, blutigen Welt Nuun.

Beendet habe ich die Geschichte mit einem Cliffhanger, denn ich will ja auch was verkaufen:
"Wer das Ende der Geschichte lesen möchte, kann dieses Buch direkt bei mir für nur 12 Euro kaufen!".

Das war dann mein Business-Move für den Abend.

Daneben habe ich auch noch meine Leckerbissen angeboten, sowie gratis Postkarten und Lesezeichen.

 

SOLD OUT!
Benjamin Spang hat am Abend der Lesung all seine Bücher verkauft!

Nach der Lesung kam einer meiner Kumpel zu mir an den Tisch mit Geld in der Hand. "Juhuu, ich verkaufe ein Buch!", dachte ich und gab ihm auch noch ein Autogramm in mein Werk. Dann kam der zweite, dann eine gute Freundin und es ging irgendwie immer so weiter...

Und dann standen auch zwei der mir fremden Damen vor mir, die etwas weiter hinten gesessen hatten.

Diese sagten mir, dass ihnen meine Lesung sehr gefallen hätte und sie gerne ein Buch kaufen würden für sich und ihre Söhne. Oh Mann, da war ich dann wirklich baff! :)

Ich habe nicht damit gerechnet, viel zu verkaufen. Aber ich habe auch nicht damit gerechnet, nichts zu verkaufen.

Das ich am Ende ALLE "Alle Kurzgeschichten aus Nuun"-Exemplare los werden würde, hätte ich nie vermutet! :) Einer meiner Kumpel kaufte mir dann noch ein Leckerbissen ab, weil ihm das Cover so gut gefällt, sagte er.

Danach bin ich mit meinen Freunden, die mir nach der Lesung viel Lob zugesprochen hatten, noch in eine tolle Pizzeria, um erstmal was zu essen. Gesättigt ging es weiter in eine Cocktailbar, wo ich mir einen wohlverdienten Mojito gegönnt habe.
 

Der Abend war grandios!

Wo soll meine nächste Lesung stattfinden? :)

 

Ulrich Burger, Marco Reuther und Benjamin Spang bei der Lesung im Bistro1680 in Homburg
v.l.n.r.: Ulrich Burger, Marco Reuther und meine Wenigkeit.

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